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Asylstrategie 2027: Aussortieren statt anhören simon Di., 01.09.2026 – 08:40 Artikel 1. September 2026 Raphaël Rey Marc Baumgartner Unter dem Vorwand, das Asylsystem stärker auf Menschen auszurichten, die «tatsächlich» schutzbedürftig seien, wollen der Bundesrat und das Staatssekretariat für Migration (SEM) ein neues Asyl-Vorverfahren einführen. Durch diesen Filter könnten bestimmte Personen ausgeschlossen werden, ohne zuvor zu ihren Fluchtgründen angehört worden zu sein. Umbau im VerborgenenDie im November 2025 verabschiedete Asylstrategie 2027 befindet sich in der abschliessenden Ausarbeitung. Sie stützt sich auf eine Analyse, die beim privaten Beratungsunternehmen Ecoplan in Auftrag gegeben und unter der Federführung einer Ökonomin erstellt wurde.[1] Der Fokus war damit von Anfang an klar: Das Asylsystem wird wie ein zu optimierender Produktionsprozess verstanden – anhand von Fallzahlen, Kosten und Kapazitäten – und nicht als Schutzsystem, dessen Qualität überprüft werden müsste.Seit Anfang 2026 steuert das SEM die Umsetzung in sieben sogenannten «Workstreams», jeweils mit eigener «Roadmap», «Milestones» und einer «agilen» Planung. Diese Unternehmensberatersprache zeigt deutlich, wer die Strategie entworfen hat – und für wen. Über die Qualität der Verfahren und Entscheide sagt sie hingegen nichts aus. Ebenso wenig geht es um die Mittel für den Rechtsschutz, die Standards für private Leistungserbringer, die Gesundheitsversorgung oder die Erkennung besonderer Schutzbedürfnisse. Im Mittelpunkt steht vielmehr das Ziel, die Zahl der Menschen zu reduzieren, die überhaupt zum Asylverfahren zugelassen werden.Dabei handelt es sich längst nicht mehr nur um ein Strategiepapier. Die «Workstreams» sollen bereits in diesem Jahr Vorschläge für Gesetzesänderungen vorlegen. Ende 2026 sollen die entsprechenden Gesetzgebungsverfahren beginnen, ab 2029 sind Pilotprojekte vorgesehen. Was heute geplant wird, soll morgen Gesetz werden. Bemerkenswert ist auch, dass sowohl Basisorganisationen als auch Geflüchtete von der Erarbeitung dieser «Strategie» und ihrer Umsetzung ausgeschlossen wurden.[2] Zugestanden wurden ihnen lediglich rund dreissigminütige «Informationsfenster» per Videokonferenz, in denen informiert, aber nicht konsultiert wurde. Besonders ironisch ist deshalb, dass zu den geplanten Ergebnissen…
